EINE KOPRODUKTION VON

  

© 2016 


GEFÖRDERT VON




DATEN

Genre: Dokumentarfilmserie
Folge: 11 / 15
Spieldauer: 48'
Bild: HD1080i, 16:9
Ton: Stereo, EBU-R128
Herstellungsjahr: 2016

AUSSTRAHLUNGEN

25.03.2017, 20:15, ORF III

26.03.2017, 01:00, ORF III

26.03.2017, 11:00, ORF III

26.03.2017, 22:00, ORF III

CREDITS

Buch und Regie: Christian Reichhold
Präsentation: Cornelius Obonya
Regie Moderationen: Wolfgang Winkler
Historische Recherche: Barbara Holzheu, Petra Mayrhofer
Sprecherin: Andrea Kloc-Radakovits
Kamera: Harald Seymann, AAC; Ferdinand Steininger, Andreas Gradl
Ton: Claus Pitsch, Laurin Seymann
Schnitt: Tobias Aigelsreiter
Color Correction: Petra Mayer
Graphik/Animation: Guzzo Factory
Musikkomposition: Thomas Kathriner
Original Signation & End Titel Musik: Sound Adventures - Vienna/Zürich /Los Angeles
Tonmischung: Blautöne
Wissenschaftliche Beratung: Oliver Rathkolb
ORF Archiv: Elisabeth Stenitzer, Renate Tuma
Transkriptionen: Jasmin Aigner, Manuela Miller
Produktionsleitung: Doris Liebhart
Produzent: Wolfgang Winkler
Redaktion: Ernst Pohn
Kaufmännische Leitung: Eva Schindlauer
Gesamtleitung: Peter Schöber

 
BAUMEISTERINNEN DER REPUBLIK

Freda Meissner-Blau

Die grüne Ungehorsame


INHALT

Bereits ihre Familiengeschichte hat europäische Dimensionen: 1927 als Kind adeliger Eltern in Dresden geboren zieht Freda mit ihrer Familie schon bald ins tschechische Reichenberg - das heutige Liberec. Meinungsverschiedenheiten zwischen Vater und Mutter werden auf Englisch ausgetragen, damit die Kinder sie nicht gleich mitbekommen. "Sie haben Freud gelesen, aber nicht verstanden", wird Freda Meissner-Blau später einmal über ihre Eltern sagen. Als 12jährige ist Freda Mitglied beim "Bund deutscher Mädchen", bleibt dort allerdings Außenseiterin, weil ihr Vater 1939 von den Nationalsozialisten zum "Volksverräter" erklärt wird. Die Mutter reicht - zum Schutz der Kinder - die Scheidung ein und zieht mit ihnen von Wien zurück nach Reichenberg. Dort besucht sie des Gymnasiums, ehe sie 1945 angesichts der herannahenden Sowjettruppen nach Nordwesten flüchtet. In Dresden überlebt sie den Angriff der Alliierten. Angesichts des Grauens schwört sie, sich dafür zu engagieren, daß derartiger Schrecken nicht mehr unter Menschen geschehen dürfe. 1949 beginnt sie in Frankfurt am Main ein Medizinstudium. Das beendet sie zwar nie, wird aber zur "Miss University" gekürt. Sie lernt George de Pawloff kennen, mit dem sie 1954 nach Afrika, in die damalige Kolonie Belgisch-Kongo zieht. Die Jahre in Afrika bestärken Freda Meissner-Blau, sich für mehr Gerechtigkeit in der Welt zu engagieren. Die bürgerkriegsartigen Zustände, die 1960 in der Unabhängigkeit münden, veranlassen die junge Familie, den Kongo zu verlassen. Zunächst Richtung Paris, doch schon bald weiter nach Wien, wo Freda Meissner-Blau Zwillinge, und ihr Ehemann einen Posten bei der Atomenergiebehörde bekommt. Erstmals wird "Atom" auf diesem Weg auch für sie selbst ein Thema. 1968 folgt dann die Scheidung von George de Pawloff. Freda Meissner-Blau erlebt als alleinerziehende Mutter von drei Kindern die Studentenunruhen in Paris aus nächster Nähe mit. Später wird sie von einem Einschnitt in ihrem Leben sprechen, der ihr die Augen weiter geöffnet hat. 1969 nimmt sie einen Posten bei der UNESCO an, im Jahr darauf heiratet sie den damaligen österreichischen Kulturattache in Paris, Paul Blau. 1972 gemeinsame Heimkehr nach Wien, wo sie in den Folgejahren die Pressearbeit für die Wiener internationale Gartenschau "WIG 74", und einen Posten beim Mineralölkonzern ÖMV übernimmt.

Ins Rampenlicht tritt Freda Meissner-Blau 1978, als sich eine knappe Mehrheit gegen die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf aussprach. Die Diskussion darüber gilt heute als Wendepunkt im Demokratieverständnis der österreichischen Zivilgesellschaft. In den folgenden Jahren macht sich Meissner-Blau einen Namen als Moderatorin der ORF-Diskussionssendung "Club 2". Ihre Popularität nutzt sie im Dezember 1984, als ein Kraftwerkprojekt die Hainburger Au bedroht.
Gemeinsam mit anderen Aktivisten zwingt sie die damalige Regierung Sinowatz zum Einlenken. Der zivile Ungehorsam und der Druck der Medien führen zur Rettung der Hainburger Au, die seit 1996 Teil des Nationalparks Donau-Auen ist.

Vom Engagement der österreichischen Zivilbevölkerung in Hainburg offenbar beflügelt schlägt Freda Meissner Blau im Jahr 1986 gleich 2 Wahlen: zunächst kandidiert sie - gegen Kurt Waldheim, Kurt Steyrer und Otto Scrinzi - als Nachfolgerin für den scheidenden Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger. Sie erkämpft 5,5% der abgegebenen Stimmen, schlägt im Herbst eine weitere Wahl und zieht unter dem Namen "Die grüne Alternative - Liste Freda Meissner-Blau" in den österreichischen Nationalrat ein. Von der parlamentarischen Arbeit und ihren eigenen Parteifreunden enttäuscht zieht sie sich aber schon bald aus der Berufspolitik zurück und bleibt, was sie ihr Leben lang war: eine engagierte Kämpferin für die Werte, die ihr wichtig waren. Im Oktober 2015 - wenige Wochen vor ihrem Tod - präsentiert Freda Meissner Blau im Wiener Parlament ihren biografischen Rückblick auf 88 Lehr- und Wanderjahre. Der Buchtitel "Die Frage bleibt" bezieht sich auf die oft gestellte Frage: wer ist Freda Meissner Blau? Diese TV-Dokumentation liefert jetzt erstmals eine mögliche