EINE KOPRODUKTION VON 

       

© 2016


 nominiert

 

GEFÖRDERT VON

       

DATEN

 

Genre: Dokumentarfilmserie

Folge: 10 / 15

Spieldauer: 45’

Bild: HD1080i, 16:9

Ton: STEREO, EBU-R128

Herstellungsjahr: 2016

AUSTRAHLUNGEN

18.03.2017, 20:15, ORF III
19.03.2017, 00:45, ORF III
19.03.2017, 23:45, ORF III
22.03.2017, 13:45, ORF III

CREDITS


Buch und Regie: Karin Schiller

Präsentation: Cornelius Obonya

Regie Moderationen: Wolfgang Winkler

Historische Recherche: Barbara Holzheu, Petra Mayrhofer

Sprecherin: Andrea Kloc-Radakovits

Kamera: Harald Seymann, AAC; Ferdinand Steininger, Andreas Gradl

Ton: Claus Pitsch, Laurin Seymann

Schnitt: Tobias Aigelsreiter

Color Correction: Petra Mayer

Graphik/Animation: Guzzo Factory

Musikkomposition: Thomas Kathriner

Original Signation & End Titel Musik: Sound Adventures - Vienna/Zürich /Los Angeles

Tonmischung: Blautöne

Wissenschaftliche Beratung: Oliver Rathkolb

ORF Archiv: Elisabeth Stenitzer, Renate Tuma

Transkriptionen: Jasmin Aigner, Manuela Miller

Produktionsleitung: Doris Liebhart

Produzent: Wolfgang Winkler

Redaktion: Ernst Pohn

Kaufmännische Leitung: Eva Schindlauer

Gesamtleitung: Peter Schöber

 

 

DANK AN

 

Stiftung Bruno Kreisky Archiv

Archiv des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien

Archiv der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Niederösterreich

Linda Erker, Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

Bundesfrauenkomitee der SPÖ

ÖNB Bildarchiv Austria

Wolf Frühauf

Mops Emmi


 

BAUMEISTERINNEN DER REPUBLIK 

 

Hertha Firnberg

Reformerin der Wissenschaftspolitik


INHALT

 

Aufgewachsen im südlichen Weinviertel, als Tochter des Gemeindearztes entscheidet sich Hertha Firnberg schon als junges Mädchen politisch aktiv zu sein. Sie ist bereits im Verband sozialistischer Mittelschüler tätig. Nach ihrer Matura im Jahr 1918 studiert sie Jus in Wien und schließt sich dem Verein sozialistischer Studenten an. Bereits 1928 tritt sie der sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei. Nach ihrer Promotion in den Fächern politischer Geschichte und Ethnographie hält sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Sie arbeitet als Nachhilfelehrerin und Journalistin für die Modezeitung Chic parisienne. Im Jahr 1948 bewirbt sie sich bei der Arbeiterkammer Niederösterreich und wird mit der Schaffung eines Bildungs- und Bibliothekarreferats beauftragt. Im Jahr 1963 erhält sie bereits ein Nationalratsmandat.

Als die SPÖ im März 1970 bei der Nationalratswahl  mit Duldung der FPÖ eine Minderheitsregierung bildet, ist Hertha Firnberg schon jahrelang eine enge Mitarbeiterin Bruno Kreiskys in der Sozialdemokratischen Partei und im Parlament. Als Vorsitzender der SPÖ gestaltet Bruno Kreisky ab 1967 ein umfassendes Reformprogramm unter dem Titel "Für ein modernes Österreich", oder damals besser bekannt als Kampagne der 1400 Experten, bei der Hertha Firnberg bereits eine wichtige Rolle spielt. In diesem Programm werden die Grundlinien der Wirtschafts-, Sozial-, Rechts- und Bildungspolitik festgeschrieben. Weil die  Wissenschaftspolitik Bruno Kreisky ein großes Anliegen ist, holt er  Hertha Firnberg  von 1970 bis 1983 in sein Regierungsteam. 

Als erste Wissenschaftsministerin  und nach der Gründung eines eigenen Wissenschaftsministerium macht sich Hertha Firnberg besonders die Hochschulreform und die Neuordnung der Universitätslandschaft zu ihrem größten Ziel. Sie fordert einen freien Hochschulzugang, eine Mitbestimmung der Studenten und eine Entscheidungsfreiheit der Universitäten für die Auswahl ihrer Mitarbeiter. Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen werden abgeschafft. Sie versucht das Interesse der Arbeiterbewegung an den Problemen der Wissenschaft und die Wissenschaft an den Problemen des arbeitenden Menschen  zu wecken.  Die Ankündigung der Hochschulreform löst einen Sturm der Entrüstung bei den konservativen Professoren aus,  die gegen diese Entmachtung protestieren und auf der Straße demonstrieren.

Als Vorsitzende der sozialistischen Frauen ist sie allerdings sehr stark und kann sich innerparteilich durchsetzen. Sie ist eine Verfechterin des Schwangerschaftsabbruchs und kämpft für die Rechte der Frauen.  Der Mann als Oberhaupt der Familie wird abgelöst und sie fordert eine Gleichstellung von Mann und Frau. Sie reformiert ein 150 Jahre altes Familienrecht und räumt den Frauen trotz Erziehung der Kinder, neue Ausbildungsmöglichkeiten und neue berufliche Tätigkeiten ein. Obwohl sie nicht zur neuen Frauenbewegung gehört, ist sie eine wichtige Person der ersten Frauenbewegung in der Sozialdemokratie und setzt für die Frauen starke politische  Zeichen.

Aber in ihrer politischen Position spielt nicht nur die Freiheit der Wissenschaft und der Frauen, sondern auch die Freiheit der Kunst eine große Rolle. Museen und historische Gebäude werden renoviert und für die Allgemeinheit zugänglich gemacht. Sammlungen werden angekauft, wertvolle und zerstörte Kunstwerke werden restauriert. Das heute beliebte Museumsquartier wird zum Kulturzentrum umgestaltet und bietet der Öffentlichkeit Raum für Erholung. 

 

Hertha Firnberg ist als erste Bundesministerin für Wissenschaft und Forschung in die Geschichte eingegangen. Sie war eine große Reformerin in der Regierung Kreisky. Von vielen Errungenschaften ihrer Ära profitiert Österreich noch heute.