Grete Rehor - Die erste Ministerin
Grete Rehor war eine der prägenden österreichischen Politikerinnen der Zweiten Republik und Wegbereiterin ihrer Zeit.
Grete Rehor war die erste Ministerin Österreichs. Als die ÖVP 1966 die absolute Mehrheit errang, wurde sie von Bundeskanzler Josef Klaus zur Sozialministerin berufen. Eine Wienerin "mit Charme, Witz und Schlagfertigkeit" hatte er sich da erwählt, aber auch eine mit beispiellosen Qualifikationen: Rehor war Gewerkschaftssekretärin, erprobte Parlamentarierin, jahrzehntelanges Mitglied des Sozialausschusses und Bundesleiterin der "Frauen im ÖAAB".
Die Dokumentation von Birgit Mosser-Schuöcker beleuchtet nicht nur den politischen Aufstieg Grete Rehors, sondern auch die Auswirkungen einer Zeit schwerwiegender politischer Umbrüche auf ihr privates Leben. Die 1910 Geborene erlebte zwei Weltkriege und verlor in beiden Familie und Freunde. Eigentlich träumte sie davon, Lehrerin zu werden, musste aber wegen der schweren wirtschaftlichen Zeiten einen Brotberuf als Textilarbeiterin annehmen und finanzierte sich so den Besuch einer Handelsschule. Bald betätigte sie sich im Zentralverband der christlichen Textilarbeiter Österreichs. Damals hieß sie noch Grete Daurer und war gerade 17 Jahre alt. Mit 19 wurde sie Vollwaise. 1935 heiratete die Wienerin den christlichen Gewerkschafter und späteren Stadtrat Karl Rehor. Als ihr Mann in Stalingrad fiel blieb Grete Rehor allein mit ihrer Tochter zurück. Die Mehrfachbelastung hielt sie aber nicht davon ab, ihren politischen Weg weiter zu gehen.
In den kommenden Jahren übte Rehor zahlreiche Funktionen in der Politik aus: Mitglied des Bundesvorstandes des Österreichischen Gewerkschaftsbunds, Abgeordnete zum Nationalrat und Gründerin des Frauenreferats des ÖAAB. Ihre politische Arbeit stand seit jeher unter dem Leitspruch: Gleiches Geld für gleiche Arbeit. Vor allem setzte sie sich für berufstätige Frauen und Mütter ein. Der Ministerposten war der Höhepunkt in Rehors Karriere und sie wusste ihr Amt für Resultate zu nutzen. Insgesamt wurden mehr als hundert Sozialgesetze während ihrer Amtszeit verabschiedet, dies brachte ihre den durchaus wohlwollenden Spitznamen "schwarze Kommunistin" beim Volk ein. Bis zu ihrem Tod 1987 blieb die Unbeirrbare politisch aktiv.


