EINE KOPRODUKTION VON 

       

© 2011


 

GEFÖRDERT VON

              

DATEN

 

Genre: Dokumentarfilmserie

Spieldauer: 45’

Bild: HD1080i, 16:9

Ton: STEREO, EBU-R128
Herstellungsjahr: 2011

AUSSTRAHLUNGEN

24.11.2011, 23:00 Uhr, ORF 2
27.11.2011, 10:15 Uhr, ORF 2

CREDITS

Buch und Regie: Birgit Mosser-Schuöcker, Wolfgang Winkler
Kamera: Richard Marx, Christian Ecker, Albert Stasic
Ton: Georg Macek, Thomas Föger, Bernhard Kummer
Schnitt: Wolfgang Winkler, Herbert Schweng
Produktionsleitung: Getrude Rischawy
Tonmischung: Heinz Bretterbauer, Simon Minihofer
Sprecher: Otto Clemens, Martin Loew-Cadonna, Susanne Rossouw
Redaktion: Gerhard Jelinek
Leitung: Gerhard Klein

DANK AN

ORF Historisches Archiv 
ORF Landesstudio Burgenland
Filmarchiv Austria
Hungaro Film
Öst. Staatsarchiv, Archiv der Republik
Dt. Bundesarchiv, Bild 102-10737 / Georg Pahl
Burgenländisches Landesarchiv
Stadtarchiv Sopron
Burgenländisches Landesmuseum
Soproni Muzeum
Burgenländisches Geschichte(n)haus, Bildein
Gemeinde Kirchschlag
Gemeinde Luising
Gemeinde Bildein
Traditionsregiment IR 59 "Erzherzog Rainer"
 
 MENSCHEN UND MÄCHTE SPEZIAL


1921

Von Deutsch-Westungarn zum Burgenland


INHALT

"Kinder, ab heute wird nur mehr deutsch gesprochen. Kein ungarisches Wort mehr!" Frau Jesenkowitsch, 101 Jahre alt, erinnert sich an die Worte des Vaters, als ob sie gestern gesprochen worden wären. Denn sie markieren jenen Tag, an dem sich die Kinderwelt des kleinen Ruster Mädchens entscheidend veränderte: In der Schule, auf öffentlichen Ämtern und zu Hause – der Vater ist Lehrer und Beamter - wird jetzt nur mehr deutsch gesprochen.

Im Herbst 1921 finden im Gebiet zwischen Neusiedlersee und Jennersdorf  tiefgreifende Veränderungen statt: Der größte Teil Deutsch-Westungarns wird endgültig in österreichische Verwaltung übernommen. "In Rust haben die ungarischen Beamten ihre Sachen gepackt und sind weggezogen!"  weiß die alte Dame noch heute.

Bereits 1919 war das Gebiet durch den Vertrag von St. Germain Österreich zugesprochen worden; 1920 verpflichtete sich Ungarn im Vertrag von Trianon zur Abtretung seiner westlichsten Region. Doch noch ist das Problem nicht gelöst: Der Einmarsch der österreichischen Gendarmerie stößt auf heftige Gegenwehr ungarischer Freischärler. Es gibt Tote und Verletzte. Mit den Venediger Protokollen vom 13.10.1921 schließen Österreich und Ungarn einen Kompromiss: Ungarn verpflichtet sich, für den Abzug der bewaffneten Einheiten zu sorgen; Österreich willigt in die Abhaltung einer Volksabstimmung in Ödenburg und den umliegenden Gemeinden ein. Im Vorfeld der Abstimmung kommt es zu einer wahren Propagandaschlacht. In Ödenburg geht der Entscheid zugunsten Ungarns aus, damit verbleiben auch die umliegenden Gemeinden (die mehrheitlich für Österreich gestimmt hatten) bei Ungarn. Österreichische Darstellungen beschreiben den Ausgang als Betrug, da die Wählerlisten von den ungarischen Behörden gefälscht worden seien. Gesichert ist jedoch, dass auch viele deutschsprachige Ödenburger bei Ungarn bleiben wollten. Ausschlaggebend waren ökonomische und religiöse Motive; gelegentlich auch Loyalität dem Staat Ungarn gegenüber. "Mein Vater hat sich immer als Ungar gefühlt, obwohl seine Vorfahren aus Bayern kamen", sagt Frau Jesenkowitsch.

Die ethnische Trennlinie ist unscharf im Jahr 1921. Umso schärfer wird sie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gezogen: 1946 werden jene Alt-Österreicher, die nach der Abstimmung in Ödenburg geblieben waren, vertrieben. Versperrte Viehwaggons bringen sie bis nach Deutschland. "Sie hatten keine Wahl, sie konnten sich nicht im nahen Burgenland ansiedeln." erklärt Dr. Andreas Krisch, Leiter des Ödenburger Stadtarchivs. Der Historiker weiß, dass es einen Zusammenhang zwischen der Abstimmung von 1921 und den Vertreibungen von 1946 gibt. "Da wurden alte Rechnungen beglichen!"Rechnungen, die aus einer Zeit stammen, als eine alte Ordnung unterging; eine neue aber noch nicht greifbar war. Wie lebte es sich in jenen Jahren, als das Burgenland schon mit Österreich verlobt, aber noch nicht von Ungarn geschieden war? Welche Gründe sprachen für einen Anschluss an Österreich, welche dagegen?

Zu Wort kommt die letzte Zeitzeugen-Generation, die sich an die Entstehung des jüngsten Österreichischen Bundeslandes erinnern kann. Historiker wie Gerald Schlag und Gerhard Baumgartner gehen der Frage nach, inwiefern vergangene politische Ereignisse noch Schatten auf das Zusammenleben der Volksgruppen im Burgenland werfen. Die 45minütige Dokumentation spannt den Bogen zwischen dem Zerfall der Donau-Monarchie, der Vertreibung aus Ungarn nach 1945 und den Auswirkungen auf die Gegenwart.