AUSSTRAHLUNGEN

3.3.2018, 21:00 Uhr, ORF III
4.3.2018, 03:20 Uhr, ORF III
 

Der Gemeindebau

Eine Institution schreibt Geschichte

Teil 2


INHALT

Der Zweite Weltkrieg war auch für den Sozialen Wohnbau Österreichs eine Zäsur. Erst 1947 nahm die Stadt Wien ihre Wohnbautätigkeit wieder auf. Die Nachkriegszeit mit ihren Babyboomern war wieder gezeichnet von Wohnungsknappheit. Jetzt musste man möglichst viel Wohnraum in möglichst kurzer Zeit schaffen. Bis 1970 wurden 96.000 Wohnungen gebaut.

Die Gemeindebauten waren aber mehr als nur günstiger Wohnraum. Sie und ihre Bewohner gingen im Laufe der Zeit als prägendes Thema mit all seinen Klischees – verewigt in Filmen, Serien und Liedern - in das Bewusstsein der Österreicher über - von Wolfgang Ambros’ "Du bist die Blume aus dem Gemeindebau" bis zu Harald Sicheritz’ bitterböser Kultkomödie "Muttertag". Und auch Karl Markovics’ vielfach preisgekrönter Film "Atmen" wurde in einer Wohnhausanlage am Rennbahnweg im 22. Bezirk gedreht.

Der Soziale Wohnbau war Zeit seines Bestehens Innovationsträger. Auch das erste Hochhaus der Gemeinde Wien war ein Gemeindebau. Das Matzleinsdorfer Hochaus (1954-1957) im 5. Bezirk war mit seinen fast 70 Metern Wiens modernster Gemeindebau mit Zentralheizung, Müllabwurf auf jeder Etage und Tanzcafé im Dachgeschoß. Entsprechend hoch war die Promi-Dichte. Neben Fernsehdirektor und späterem Bürgermeister Helmut Zilk wohnte auch der damalige Kurier-Chefredakteur Hans Dichand eine Zeit lang im Matzleinsdorfer Hochhaus. Auch das berühmte "Hundertwasserhaus" (1983 - 1985), Anziehungspunkt für Touristen und Kunst-Interessierte Wiener gleichermaßen, ist ebenfalls ein Gemeindebau. Heute besitzt die Stadt Wien ca. 220.000 Gemeindewohnungen und ist somit die größte Hausverwaltung Europas.